Warum der Stromstecker die wunde Stelle ist
Eine heutige Spitzenkarte darf bis zu 600 Watt ziehen. Bei 12 Volt sind das rund 50 Ampere – durch einen einzigen kleinen Stecker mit sechs stromführenden Pins. Rechnerisch trägt jeder Pin etwa 8 Ampere, und dafür ist er auch gebaut.
Gefährlich wird es, wenn sich der Strom ungleich verteilt. Steckt der Anschluss nicht ganz sauber, ist ein Kontakt verschlissen oder das Kabel zu eng gebogen, übernehmen einzelne Pins plötzlich das Doppelte oder Dreifache. Der Übergangswiderstand steigt, die Stelle wird heiß, das Kunststoffgehäuse schmilzt. Genau so sind die bekannten Schadensbilder an 12VHPWR- und 12V-2x6-Steckern entstanden.
Das Tückische daran: Die GPU-Temperatur bleibt dabei völlig unauffällig. Der Chip merkt nichts davon, dass ein Pin glüht. Wer nur auf Grad schaut, sieht das Problem nicht kommen.
Die Werte, auf die es ankommt
Reserve bis zur Drosselung. Moderne NVIDIA-Karten melden nicht mehr eine feste Zieltemperatur, sondern den Abstand dazu. Diese Zahl ist die ehrlichere Auskunft: Solange zweistellig Luft ist, läuft alles entspannt. Schrumpft sie auf wenige Grad, bremst sich die Karte gleich selbst – meist wegen Staub oder schlechter Gehäusebelüftung.
Speicher und Hotspot. Der Grafikspeicher und die heißeste Stelle des Chips liegen deutlich über der angezeigten GPU-Temperatur. Der NVIDIA-Treiber gibt beide nicht heraus. Die Speichertemperatur lässt sich trotzdem auslesen, über das kostenlose HWiNFO; den Hotspot meldet die RTX-50-Reihe allerdings gar nicht mehr.
Leistungsaufnahme im Verhältnis zur Grenze. Interessant ist nicht die nackte Wattzahl, sondern wie nah an der eigenen Grenze gefahren wird – und ob die Karte dauerhaft am Anschlag klebt.
Strom je Pin und die Schieflage. Manche Karten, vor allem aktuelle ASUS-Modelle, messen jeden Pin einzeln. Aus dem höchsten und dem niedrigsten Wert ergibt sich die Schieflage: 1,0 wäre perfekt gleich verteilt, bis etwa 1,3 ist unauffällig, ab 1,6 gehört der Stecker angesehen.
Was tun, wenn die Werte aus dem Ruder laufen?
Bei Schieflage am Stecker: Rechner ausschalten, Netzteil vom Strom trennen, Stecker abziehen, Kontakte ansehen (verfärbt? angeschmolzen?), sauber und vollständig wieder einstecken, bis er hörbar einrastet. Kabel nicht direkt hinter dem Stecker knicken. Danach erneut messen – ist die Schieflage weg, war es der Sitz.
Bei Hitze: Staubfilter und Lüfter reinigen, Gehäusebelüftung prüfen, Lüfterkurve anpassen.
Bei dauerhaftem Anschlag: Leistungsgrenze senken. Von 600 auf 480 Watt kostet in Spielen meist nur wenige Prozent Bildrate, spart aber ein Fünftel der Abwärme und macht den Rechner hörbar leiser.